Groningen – Stilvolle Stadt mit südländischem Lebensgefühl
Gemütliches Großstadtflair, prächtige Museen, noble Mode- und Design-Geschäfte, hervorragende Restaurants, dazu ein quirliges Nachtleben, das keine Sperrstunde kennt: Es gibt viele Gründe, warum Groningen die italienischste Stadt nördlich der Alpen genannt wird. Hinzu kommt, dass Architekten wie Mendini, Natalini und Grassi dem fast 1000 Jahre alten Groningen ihren Stempel aufgedrückt haben. Der reizvolle Kontrast von Alt und Neu hat einfach Stil. Und die Provinz selbst sorgt für zusätzliche Abwechslung.
Die Niederländer selbst haben ihrer nördlichsten Metropole höchste Lebensqualität auf kleinstem Raum bescheinigt. Sie wurde auch 2007 aus 72 Städten zur besten Innenstadt gekürt. Das ist sicherlich auch dadurch begünstigt, dass die Innenstadt seit 1977 komplett autofrei ist. Denn ohne Autoabgase schmeckt der Café Latte auf dem Großen Markt vor dem 1635 gebauten und prächtig verzierten Goldkontor gleich noch mal so gut, bevor man entspannt durch die umliegenden, ebenfalls autofreien Straßen und Gassen bummelt. Das südländische Lebensgefühl lockt nicht nur zahlreiche Touristen, sondern auch viele Studenten, die den Alterschnitt der rund 180.000 Groninger erheblich senken: Über die Hälfte der Einwohner ist unter 35 Jahren.
Die umliegende Provinz Groningen bietet Besuchern das Kontrastprogramm zum städtischen Trubel: Der Nationalpark Lauwersmeer lädt auf 9.000 Quadratmetern zur natürlichen Erholung und allen Varianten des Wassersports ein. Beschaulichen Landschaften laden mit einsamen Burgen, Kirchen und Warften zu Reit-, Rad- und Wandertouren ein.
Neben dem mehr als 500 Jahre alten Martiniturm - mit seinen 97 Metern einer der höchsten Türme der Niederlande - hat Groningen ein neues Wahrzeichen bekommen. Es ist das Groninger Museum, dessen spektakulärer Bau anmutet wie ein Hochseeschiff, das versehentlich in die Stadtgracht gefahren ist. Das Gebäudeensemble von 1994 vereint einen goldenen Turm von Alessandro Mendini mit einem silbernen Rundbau von Philipp Starck und einem aberwitzig futuristisch-verkeilten Anbau des Architektenduos Coop Himmelb(l)au. Vom Treppenhaus über die bunten Mosaiksteine bis hin zur WC-Türklinke: nicht nur in, sondern auch an diesem Gebäude ist alles Kunst. Im Museum sind Ausstellungen zum Kunsthandwerk, der niederländischen Künstlergruppe De Ploeg und zeitgenössische Bildende Kunst sowie umfangreiche Wechselausstellungen zu sehen. Designklassiker von Starck, Alessi & Co. kann man im Museumsshop für die eigenen vier Wände erwerben.
Das jüngste Museum der Stadt ist das Comicmuseum, das Ostern 2004 seine Pforten öffnete. Es dokumentiert die lange Geschichte des Comics – von der ersten Hieroglyphe bis hin zur modernsten Computeranimation. Für echte Fans bietet sich anschließend ein Bummel durch die Comicläden in der Pelsterstraat an.
Wer Kunst gerne unter freiem Himmel genießt, der schlendert einfach durch die Straßen. Dann kommt er vielleicht zufällig an der schönsten öffentlichen Toilette der Welt vorbei, die von Rem Koolhaas entworfen und vom Fotografen Erwin Olaf ausgestaltet wurde. Er erspäht auf der Unterseite der hochgezogenen Werkmanbrücke das Kunstwerk des belgischen Künstlers Wim Delvoye oder begegnet einer acht Meter hohen, verstörenden Unbekannten, die gerade die Treppe am Hochhauses De Regentes herunterschreitet. Rund 400 solcher Plastiken und Statuen sind im Stadtgebiet zu entdecken.
Schick Shoppen in der alten Hansestadt
Die alte Hansestadt Groningen ist auch heute noch eine Handelsmetropole. Auf dem „Grote Markt“ und dem „Vismarkt“ kaufen Einheimische wie Touristen dienstags, freitags und samstags von 9 bis 17 Uhr Gemüse, Obst oder Fisch. Der „Aa-Kerhof“ verwandelt sich an diesen Tagen in den berühmten Pflanzen- und Blumenmarkt. Unter dem Dach des Nas & Mazzel-Basars haben sich 40 Geschäfte niedergelassen, die keiner verpassen sollte, der orientalisches Flair liebt. Hier findet man zum Beispiel mediterrane Delikatessen, Zierglas und Vasen, marokkanische Festkleidung und israelische Accessoires.
Im ehemals jüdischen Viertel von Groningen liegt die bunte Folkingestraat. Essen, Kleidung und Krimskrams aus allen Teilen der Welt werden feilgeboten. Der Zuiderdiep ist bekannt für seine vielen Antiquitätenläden, exklusive Mode gibt es in der Zwanestraat und in der Waagstraat. Die Oosterstraat bietet zahlreiche Design- und Einrichtungsgeschäfte. Maupertuus, etwas außerhalb gelegen, gehört zu den besten Einrichtungshäusern der Niederlande. Hier findet man - passend zum Groninger Museum - Möbelkollektionen und Artikel von internationalen Designern wie Alessi, Kartell, De Padova, Starck und Vitra.
In der lebendigen Studentenstadt Groningen gibt es immer etwas zu feiern. Zentrum aller Vergnügungen ist der Grote Markt mit seiner hohen Kneipendichte, doch auch in der Poelestaat, der Kromme Elleboog und in der Peperstraat gilt keine Sperrstunde. Ein Geheimtipp ist das Vera, der älteste Pop-Tempel nördlich von Amsterdam. U2, The Cure und Nirvana traten hier schon auf, auch heute findet dort fast jeden Abend ein Konzert, eine Dancenight oder ein Kinoabend statt.
Zauberhaft erhellen sich die Groninger Nächte im August zum Noorderzon-Festival. Dann versammeln sich internationale Theaterleute, Musiker und Kabarettisten auf der Freilichtbühne. Eine reizvolle Kombination von Erleben und Erholen bietet die SommerJazzRadTour. Improvisierte und zeitgenössischen Musik wird in uralten Kirchen und historischen Scheunen mitten in der prächtigen Kulturlandschaft der Provinz Groningen zu Gehör gebracht. Die stimmungsvollen, ausgefallenen Spielorte können sich Jazzfreunde selbst zu einer Fahrradtour zusammenstellen.
Von wilden Nächten und langen Kunst- und Shoppingtouren erholt man sich am besten in der freien Natur. Zum Beispiel im Nationalpark Lauwersmeer, bei einer Wanderung entlang des Orchideenpfades oder am Watt. Oder man sticht von einem der vier Yachthäfen aus mit Segelboot, Kanu oder Surfbrett in See. Besonders bei Kinder beliebt ist ein Besuch der Seehundfarm in Pieterburen. Bei einer Übernachtung auf einem der ehemaligen Adelssitze aus dem 13. und 14. Jahrhundert, den so genannten Borgen, kommt die ganze Familie auf ihre Kosten.
Ein absolutes Muss für jeden Groningen-Besucher ist die Festungsanlage Bourtange. Innerhalb der originalgetreu aufgebauten Mauern des Dorfes kann man nicht nur in historischen Läden einkaufen und auf dem malerischen Marktplatz essen, sondern auch erleben, wie es zu Kriegszeiten in der Festungsanlage zuging. Geschichte wird hier lebendig.
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