Je nach Sonnenstand oder Bewölkung erscheinen die Berge und Ebenen auf La Graciosa in den verschiedensten Farben. Die Palette reicht von sandigen oder erdigen Tönen bis zu grün und rot.
Viele Steine sind mit Flechten überzogen, die noch mehr Abwechslung in die, auf den ersten Blick karge Landschaft bringen.
Der Sand, der vom Norden in den Süden zieht, lässt manche teile wie die Sahara erscheinen. Was nicht ganz falsch ist, denn ein Teil kommt von dort.
Die kleinen Inseln nördlich von La Graciosa erinnern an Westernfilme.
Würde Montana Clara beispielsweise in einer Wüste stehen, könnte man glauben, Clint Eastwood müsse um die Ecke geritten kommen.
Die teilweise vertrockneten Ginstersträuche geben der Kulisse den letzten Schliff.
Wenn es im Winter viel regnet werden die staubigen Flächen zu Morast. Ein Spaziergang wird dann anstrengend, denn es sammelt sich „kiloweise“ Schlamm an den Schuhen.
Da das Boot im Winter allerdings um 16.00 Uhr und im Sommer um 18.00 Uhr zur letzten Rückfahrt ablegt, sind die Tagestouristen spätestens ab 15.45 oder 17.45 Uhr von der Bildfläche verschwunden. Dann sind die „Langzeittouristen“ und Inselbewohner unter sich. Einige Touristen sehen sich interessiert die „Neuankömmlinge“ an. „Aha, die bleiben länger“.
Wer Ruhe und Gelassenheit sucht, der kann Sie auf La Graciosa finden.
Die Menschen auf den Kanarischen Inseln mögen es ein wenig gelassener. Die Kellner oder Kassiererinen können nach deutschem Massstab etwas länger brauchen. Der Tag hat viele Stunden…
Wie auf den allen Inseln, steht auch auf La Graciosa die Zeit zwischen 13 und 17 „still“ – Siesta. Zwar haben sich inzwischen einige Restaurants und sogar ein Supermarkt auf die Bedürfnisse der Touristen eingestellt, doch sollten Sie sich darauf einstellen in der Siesta nicht alles zu bekommen.
Die etwa 700 Bewohner der Insel leben vom Fischfang und Tourismus. Einige haben Einnahmen aus den Touristensiedlungen auf Lanzarote, andere fahren mit kleinen Booten zum Fischen auf das Meer. Die in einigen Reiseführern erwähnte Landwirtschaft ist doch eher für den Hausgebrauch. Die ein oder andere Tomate landet vielleicht in einem der inzwischen fünf „Supermercados“, die Felder haben jedoch kleingartengrösse.
Die Schule, 2000/2001 ausgebaut, hat erstaunlicherweise etwa 200 Schüler. Ebenfalls bemerkenswert ist die Anzahl von Bars. Mindestens 8 Tresen gibt es in Caleta del Sebo – und die sind eigentlich immer gut besucht. Eine Kirche und eine Art Stadion runden das „Stadtbild“ ab.
Strom und Wasser kommen von Lanzarote. Da kann es schon mal passieren, das es mitten in der Nacht kein Wasser oder Strom gibt. Wenn der Strom zu den Öffnungszeiten der Bank ausfällt, nützt auch die Kreditkarte nichts mehr…
Wenn auch nicht mehr so spannend wie noch vor zehn Jahren spielen sich bei Ankunft auf La Graciosa die gleichen Rituale ab. An der Mole warten die Fahrer der Geländewagen auf Gäste, Reiseleiter versuchen Ihre Gruppen zusammenzuhalten, „Langzeittouristen“ beobachten das Geschehen von der Terrasse eines Restaurants oder einer Bank.
Hunde und Kinder rennen umher, Freunde, Bekannte, Gäste oder Familienangehörige werden begrüsst. Die ersten Tagestouristen rennen Richtung Strände um bloss die ersten zu sein während andere noch auf Ihr Gepäck warten. 15 Minuten später sind alle verschwunden.
Hier legen auch Freizeitkapitäne mit ihren Booten an. Weil es hier aber keinen „Club“ gibt, sind das überwiegend abenteuerlustige „Freaks“, die gerne über ihre Schiffe und Tripps sprechen. Grosse Fischerboote sucht man hier vergebens. Die Flotte von Graciosa blieb bisher monatelang draussen und brachte die Fische gleich nach Lanzarote. Momentan dürfen die Fischer nicht an der afrikanischen Küste fangen. Daher sieht man den ein oder anderen Fischer auch in einer der Bars.
Ausserhalb der Sommermonate verirren sich nicht viele Menschen auf die wenige Quadratkilometer grosse Insel. Obwohl es inzwischen Pauschaltouristen gibt. Die meisten Lanzaroteurlauber begnügen sich mit einem Blick vom Mirador del Rio, einem Aussichtspunkt an der Nordspitze Lanzarotes. Einige Wanderer, Strandfreunde oder einfach Neugierige schaffen es jedoch mit der Fähre von Orzola aus.
Strandfreunde können sich auf La Graciosa jeden Tag an einem anderen Strand „rekeln“. An den weiter vom Dorf gelegenen Küstenbereichen treffen Sie kaum andere Menschen.
Ganz so einsam wie noch vor einigen Jahren sind auch die Strände auf La Graciosa nicht mehr. So voll wie auf der großen Schwester Lanzarote wird es auf Graciosa allerdings nicht.
Die meisten Besucher zieht es zum Playa Francesa, an den La Conchas oder sie bleiben gleich am „Stadtstrand“ im Hauptdorf Caleta del Sebo.
„Klein aber fein“ ist der Strand am Baranco de los Conejos. Wer dort baden möchte, muss vom Dorf aus in nördlicher Richtung etwa 3 Kilometer an der Küste entlang gehen.
Die kleine Bucht liegt abseits der Hauptrouten, die die Geländewagen Taxis um die Insel fahren. Dort kommen nur Wanderer auf dem Weg ins zweite Dorf der Insel, Pedro Barba, vorbei.
Der kleine Strand am Baranco de los Conejos. Hier kommen lediglich Wanderer auf dem Weg nach Pedro Barba vorbei.
Die meisten Tagesbesucher schaffen es meist nur bis zum Playa Francesa, etwa 2 Kilometer südwestlich von Caleta del Sebo. Der weitläufige Strand in der Nähe des Hauptdorfes umringt eine Bucht, in der ein Ausflugsboot festmacht.
Playa Francesa. Hier bringt ein Ausflugsboot seine Gäste an Land.
Doch der nächste Strand liegt direkt am Fusse des Berges.
Am Playa Cocina, knappe 2 Kilometer weiter haben Sie wieder Ruhe.
Playa Cocina am Fuße des Montaña Amarilla.
Die Strände auf Graciosa sind „naturbelassen“. Sie werden also nicht gereinigt.
Am Strand und in der Brandung liegen allerhand angespülte Dinge herum. Darunter auch tote Schildkröten oder Asiatische Fertiggericht Packungen.
Alle Strände sind von Caleta del Sebo aus zu Fuss in maximal 2 Stunden zu erreichen.
Alternativ können Sie auch Fahrräder oder Taxis mieten.
Den ganzen Tag an einem der vielen Strände von La Graciosa zu liegen kann auf Dauer etwas langweilig werden. La Graciosa bietet auch eine Vielzahl an Möglichkeiten Sport zu treiben.
La Graciosa eignet sich sehr gut für kleine Wanderungen und Radtouren. Mit einem Fahrrad sind alle Teile der Insel in maximal etwa 45 Minuten Fahrzeit erreichbar.
Es gibt inzwischen mehrere Fahrradvermieter auf La Graciosa, die sie am Hafen erwarten. Räder mit Federgabel – und nur die sind zu empfehlen – bekommen Sie hier für 15,- Euro pro Tag. Fahrräder sind auch als Fahrzeug für einen längeren Aufenthalt auf Graciosa nützlich.
Sie sollten jedoch einigermassen geübt im „Radeln“ sein. Es gibt auf der Insel keine asphaltierten Wege und die Pisten sind zum Teil sehr schlecht oder sandig und mit Steinen übersät. Wer mit dem eigenen „Bike“ kommt, sollte daran denken, dass die Insel eigentlich komplett mit Sand überzogen ist.
Wandern
Auch zu Fuß lässt sich die Insel entdecken. Tagestouristen sollten jedoch daran denken, wann die letzte Fähre ablegt.
Auch hier sollten Sie die richtige Ausrüstung tragen. Knöchelhohe Wanderschuhe oder mindestens Sportschuhe sollten Sie schon anziehen. Sonst müssen Sie ständig halt machen um Sand oder Steine aus den Schuhen zu holen. Sandalen sind auf Graciosa völlig fehl am Platz.
Wer die Geländewagenpisten verlassen möchte sollte trittsicher sein. Scharfkantiges Vulkangestein und unzählige kleine und grosse Steine verleihen dem Wandern zwar Abenteuerfeeling, verleiten aber auch zum Stolpern.
Einer der Highlights auf La Graciosa ist der „legendäre“ Strand „Playa de Las Conchas“ an der Nordwestseite der Insel. An dem etwa 500 Meter langen und 100 Meter breiten Strand ging schon vor knapp 300 Jahren Alexander von Humboldt während seiner berühmten Südamerikareise an Land. Sein Schiff lag zwischen vorgelagerten Inselchen und Felsen fest.
Die inzwischen recht zahlreichen Besucher fallen auf dem großem Strand kaum auf. Jeder findet sein Plätzchen.
In einem kleinen Zelt ließ es sich hier sogar tagelang aushalten. Mittlerweile ist das Zelten verboten.
Baden verboten!
Der Las Conchas liegt, wie erwähnt, an der Nordwestseite. Wie überall auf den Kanaren sind die Nordstrände besonders gefährlich. Hier gibt es starke Strömungen. Schwimmen ist hier lebensgefährlich! Es gibt keine Rettungsschwimmer.
Und wenn der Wind so richtig bläst gibt es eine „Hammerbrandung“ mit hohen Wellen. Dann wird selbst Wellenreiten an dem abrupt abfallenden Strand gefährlich. Ein toller Anblick bleibt trotzdem.
Der Aufstieg auf den Montana Bermeja, den roten Berg lohnt in jedem Fall. Hier hat man einen herrlichen Ausblick auf den Las Conchas, und die beiden unbewohnten Inselchen Isla Alegranza und Montana Clara. Vorsicht und feste Schuhe sollte aber auch hier jeder mitbringen. Einen richtigen Weg gibt es nicht und die Schotterwände sind recht steil.
Aus dem Hauptdorf Caleta del Sebo bringt sie ein Taxi für 10 € pro Person zum Las Conchas.